Don Feidner

Ein Grund zum Radfahren

Last Update: 19 September 2010

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Flucht in die Realität !

Einige Leute haben mich gefragt, ob der Grund, warum ich so viel Zeit auf einem Fahrrad verbringe, eine “Flucht von der Realität” sei. Aber die Antwort ist ohne Zweifel genau das Gegenteil. Sie ist eine Flucht in die Realität.

Unsere Welt ist so geworden, dass viele Leute in die Arbeit rennen, wieder nach Hause flitzen, auf ihre Handys SMS Messages schicken, vor ihren Computersystemen sitzen, und vor ihren Fernsehgeräten endlose Stunden verbringen. Die meisten können nicht einmal 10 Sekunden stoppen, um die Rosen auf ihrem Lebensweg zu riechen. Wenn Du jemanden heutzutage grüßen willst, und du fragst, “Wie geht’s denn heute?” meistens kriegst Du die Antwort, “Danke, gut!” und dann flitzen sie weiter. Ich habe mich oft gefragt, was für eine Antwort ich bekäme, wenn ich genau die gleiche Frage beantworten würde mit so etwas: “Wie nett, dass Du fragst. Komm! Setz dich, und lass mir’s Dir erzählen.” Würde überhaupt eine einzelne Person, ausser meinen besten Freunden, die Zeit dafür nehmen?

 In diesem Jahrhundert, mindestens hier in Deutschland, leben die meisten Leute in einer unechten Welt - eine Welt der “virtuellen Realität”. Vor ungefähr 5 Jahren, wie ich unterwegs nach Hause war, habe ich festgestellt, dass in 95% von den Häusern, gegen 8:30 Uhr abends, ein schwankendes blaues Licht in den Wohnzimmerfenstern zu sehen war. Neulich habe ich ein Bericht gelesen, dass Menschen in Deutschland 3 ½ Stunden pro Tag vor dem Fernseher sitzen. Die einzigen Menschen auf dem Marktplatz in der Stadt wo ich wohne, waren Ausländer, die finanziell nicht so wohlhabend waren, wie die meisten Deutschen.

Ich gebe zu, dass ich auch viel zu dick und apathisch geworden war, nur aus Mangel an sportlichen Aktivitäten und durch schlechte Essgewohnheiten. Nicht nur die Problemen mit meinen Lungen, sondern auch Diabetes und Bluthochdruck hatten mich beeinträchtigt, das Leben zu geniessen. Eine Änderung war sofort nötig, und ich habe zwei Sachen gleichzeitig angefangen. Ich fing an ein Kajak zu paddeln und Fahrräder zu fahren. Das Paddeln war für meine Arme und Bauch gut, und das Radfahren war für meine Beine und Kreislauf der allerbeste Ausdauersport. Ich habe auch meine Essgewohnheiten radikal verändert: ich habe viel weniger aber dafür circa 5-6 mal am Tag gegessen, und meist nur wenn ich Hunger hatte. In weniger als zwei Jahren gingen mein Diabetes und Hochblutdruck völlig weg. Mein Cholesterin Spiegel ist von 326 auf 147 gefallen, und ich habe 27 kilogram Fett abbauen können.

Jetzt bin ich wieder bei meinem “High School” Gewicht von 73 kilogram gelandet. Nein, es war nicht einfach. Es hat sehr viel Disziplin und Zeit gefordert. Aber mir war’s jede Minute wert. Aber als ich dünner geworden bin, habe ich etwas Aufregendes entdeckt. Statt im Fernseher zuzuschauen, was andere machen, hatte ich angefangen, diese Sachen selbst zu machen. Früher habe ich gerne im Fernsehen gerne zugeschaut, wie Leute bergsteigen, Höhlen forschen, und in fremde Länder verreisen. Und das war tatsächlich die Reise, die ich vor 20 Jahren angefangen hatte, aber irgendwie wurde ich aufgehalten. Jeder, der mich kennt, weiss dass mein Leben alles andere war als langweilig, aber irgendwie ist eine bestimmte Trägheit - eine Lethargie - eingekrochen.

So meine Radtouren sind eine Zeit zum nachdenken, eine Zeit andere Leute zu treffen und mit ihnen über alles zu diskutieren, was für sie wichtig ist. Es ist eine Zeit um Fotos zu knipsen, die Natur ohne Arbeitsstress zu geniessen, und zu entdecken, was schon längst entdeckt worden ist .... und dann vergessen wurde.

In den Paar Kurztrips, die ich im vorigen Jahr in Vorbereitung auf das grosse Tour genommen habe, hatte ich schon angefangen, wieder zu „leben“. Du fragst, ob Einsamkeit eine Rolle spielt? Nicht im geringsten. Währen 2 Kurztrips von je einer Woche hatte ich täglich Leute kennengelernt, und mit ihnen Zeit beim Wandern oder Radfahren verbracht. Wir haben alles mögliche besprochen. Was ich gelernt (oder bestätigt) habe, ist dass die meisten Leute über ihr Leben reden wollen – über das was sie getan haben, über ihre Träume für die Zukunft, und über den Sinn des Lebens. Was mich am Meisten interessiert ist, dass die meisten Leute ihre Weisheit mitteilen wollen – was sie während ihrem Leben gelernt haben. So befinde ich mich wieder in einer Art Schule, und ich lerne wie ein Schüler über vieles, wie z.B. man einen hohen Berg besteigen kann, ohne Müde zu werden, oder wie man einen Garten richtig pflanzt und düngt, oder auch warum die Islamische Leute so eine völlig andere Lebenseinstellung habe wie wir. 

Fahr doch irgendwann mal mit, atme frische Luft, geniesse den Sonnenschein auf deinen Schultern und den Wind in deinem Gesicht. Entdecke mit mir zusammen, was so aufregend daran ist.

Warum noch mehr Abgase in deine Umgebung hinein pumpen?
Think Green!

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